Wer seine genealogischen Forschungsergebnisse über die eigene Familie oder den Heimatort hinaus zugänglich machen möchte, steht früher oder später vor der Frage: Wie veröffentliche ich mein Werk? Ob Ortsfamilienbuch, Monographie zur Ahnenforschung oder Familienchronik – es gibt heute viele Möglichkeiten, Forschungsergebnisse zu publizieren. Doch nicht jede Variante passt zu jedem Projekt.
Im Folgenden zeige ich dir die wichtigsten Wege – mit ihren Chancen, Risiken und bewährten Vorgehensweisen.
🧭 Grundsätzliches
Die meisten wissen es:
- Mit genealogischen Publikationen kann man nicht reich werden. Rechnet man den Stundensatz für die Erstellung eines Ortsfamilienbuchs, liegt man in der Regel weit unter dem Mindestlohn.
- Es gibt keinen „richtigen“ oder „falschen“ Weg der Veröffentlichung. Die Wahl hängt von vielen Faktoren ab, die du bedenken musst. Kombinationen sind oft sehr sinnvoll.
- Dieser Artikel setzt voraus, dass das Werk bereits erstellt wurde und als PDF vorliegt.
❓Folgende Fragen solltest du dir beantworten
Möchte ich ein Buch in der Hand halten?
Ein gedrucktes Buch mit hochwertigen Materialen erstellt und ausgestattet mit Leineneinband, Lesezeichen und gutem Papier ist ein Schatz, den du verschenken und an deine Nachkommen weitergeben kann. Vergibst du eine ISBN, gehen Exemplare an die Deutsche Nationalbibliothek – und du schaffst damit ein dauerhaftes Vermächtnis.
Bin ich bereit wirtschaftliche Risiken einzugehen?
Wenn du nicht sicher sein kannst, wie viele Exemplare du verkaufen kannst. Kannst du damit leben, dass du auf Exemplaren sitzen bleibst?
Welche Personen möchte ich erreichen?
Möchtest du dein Werk einer möglichst großen Öffentlichkeit zugänglich machen oder nur der eigenen Familie oder Gemeinde?
📖 Die Familienchronik
Das Interesse an einer Familienchronik ist meist auf einen kleinen Personenkreis beschränkt. Wenn du umfangreiche Personendaten gesammelt hast, kann dein Werk jedoch für genealogische Vereine interessant sein.
Als Abschluss deiner Forschung lohnt es sich, ein hochwertiges Buch drucken zu lassen, das du deinen Kindern und Nachkommen hinterlassen kannst. Bei sehr kleinen Auflagen ist klassischer Buchverlag-Druck oft zu teuer. Es gibt jedoch spezialisierte Anbieter:
- CARDAMINA Verlag (Koblenz): Druck historischer Monographien, Kleinauflagen im Laserdruck, Extras wie Lesezeichen, Leineneinband, Goldschrift.
Preis pro Exemplar: 50–60 EUR. - Online-Druckereien (z. B. podbuchdruck.de): Kostengünstiger,
Preis pro Exemplar: 25–40 EUR.
🗺️ Das Ortsfamilienbuch
Auch hier ist die Auflage entscheidend. Sie hängt stark von der Größe der Gemeinde ab.
- Druckerei: der Offsetdruck lohnt sich erst ab einer Auflage von 250 Exemplaren. Dafür bekommst du hier sehr gute Qualität und individuelle Beratung. Zudem unterstützt du ein Unternehmen in deiner Region. Wählst du die Auflage zu groß, bleibst du auf vielen Exemplaren sitzen und erleidest wirtschaftlichen Totalschaden.
Onlinedruckereien drucken oft im Laserdruck und sind deutlich günstiger. Pro Exemplar kannst du mit bis zu 10 EUR Verdienst rechnen. - On-Demand Druck: Es gibt einen großen Markt, so dass ich hier nur Beispiele herausgreife. Neobooks, epubli, Amazon KDP drucken die Exemplare nach dem Bestelleingang und übernehmen teils auch die Vermarktung. Damit gehst du nicht in Vorleistung, aber dein Erlös pro Exemplar fällt auf deutlich unter 10 EUR.
- E-Book: E-Books sind billig zu verbreiten und weltweit verfügbar — ideal, wenn du aktualisierbare Inhalte anbieten möchtest. Investiere in ein korrektes Inhaltsverzeichnis, Metadaten (ISBN, Schlagworte) und ein ansprechendes Cover und teste das Werk auf unterschiedlichen Readern (Kindle, Tolino, PocketBook). Das erhöht die Reichweite, aber der Verdienst pro E-Book liegt oft bei ca. 1 EUR oder weniger.
- Öffentliche Webseite: CompGen bietet eine kostenfreie Plattform, wo auch ich mein OFB eingestellt habe. Du lieferst deine GEDCOM ab und musst dich um nichts mehr kümmern. Bei Bedarf kannst du das Buch aktualisieren. Du erreichst die genealogische Community und bekommst wertvolle Verbindungen zu anderen Forschern. Kein direkter Verdienst.
- Private Webseite: Du kannst dein Buch über deine eigenen Webseite bewerben und verkaufen. TNG liefert ein ansprechendes Design und Zugriffskontrollen: Für das Hosting musst ca. 60 EUR pro Jahr einplanen. Dein Verdienst richtet sich nach der Attraktivität deines Werks. Interessant ist dieser Ansatz, wenn du weitere Produkte anbieten möchtest.
🔗 Der Hybride Ansatz
Viele Autoren von Ortsfamilienbüchern gehen zweistufig vor. Zuerst wird in geringer Auflage, die kein wirtschaftliches Risiko darstellt, ein Buch in einer (Online-)Druckerei produziert. Ist die Auflage verkauft, wird das Buch in der zweiten Phase On-Demand angeboten oder online gestellt. Manche geben die Werke auch für der Öffentlichkeit oder dem Heimatverein frei.
💡 Tipp
Einige Gemeinden, Unternehmen oder Sparkassen unterstützen örtliche Projekte mit einem Kostenzuschuss. Auch genealogische Vereine beteiligen sich manchmal an den Druckkosten – meist im Tausch gegen Exemplare, die an den Verein gehen.