Die korrekte Dokumentation von Orten ist für genealogische Arbeiten essenziell. Verschiedene Notationsarten haben sich etabliert (historisch, hierarchisch und genealogisch), um Orte eindeutig und nachvollziehbar zu erfassen. Jede Methode hat Vor- und Nachteile – abhängig vom Ziel der Forschung.
Beispiel:
| Notation | Beispiel |
|---|---|
| Hierarchisch | Edenkoben, Verbandsgemeinde Edenkoben, Landkreis Südliche Weinstraße, Rheinland-Pfalz, Deutschland |
| Historisch-kritisch | Edenkoben, Kreis Landau, Bayerische Pfalz (heute Rheinland-Pfalz) |
| Genealogisch standardisiert | Edenkoben, Rheinland-Pfalz, Deutschland |
🗺️ Die hierarchische Ortsnotation
Historisch korrekt ist es, den Namen zu verwenden, der zum Zeitpunkt des Ereignisses gültig war. Es ist üblich, den Ort mit höheren Verwaltungseinheiten zu ergänzen, damit er eindeutig zugeordnet werden kann. Dabei werden Orte von der kleinsten Einheit bis zum Land aufgeführt: Ort, Verwaltungseinheit, Land
Beispiel: Dresden, Königreich Sachsen, Deutsches Reich
Damit ist eine eindeutige geografische Zuordnung möglich, die bei regionaler Forschung und Kartenarbeit hilfreich sein kann. Allerdings nur, wenn der Leser Kenntnisse historischer Verwaltungsstrukturen hat. Die Ortsbezeichnungen können lang und damit unübersichtlich werden.
- Im Falle eines Ortsfamilienbuchs würde diese Notation zu einer permanenten Wiederholung des langen Ortsnamens führen, was die Lesbarkeit extrem beeinträchtigen und zudem das Volumen des Werks unnötig aufblähen würde (bei 8.000 Personen um ca. 100 Seiten).
- Bei der Erstellung eines Ortsregisters würde der Ort mehrfach entsprechend der Wechsel des Namens und der Verwaltungseinheiten aufgeführt werden.
🏛️ Die historisch-kritische Ortsnotation
Ähnlich wie die hierarchische Notation, berücksichtigt diese Notation den Ortsnamen und die Verwaltungseinheit zur Zeit des Ereignisses, ergänzt den heutigen Namen und Verwaltungseinheit.
Beispiel: Lemberg, Galizien, Österreich-Ungarn (heute Lwiw, Ukraine)
Die Vorteile sind die historische Genauigkeit und der mögliche Rückschluss auf die verwendeten Quellen. Für Leser ohne historische Kenntnisse ist dies allerdings schwer verständlich. Zudem hat dieser Ansatz die gleichen Nachteile wie die hierarchische Notation hinsichtlich Länge und Indexierung.
📍 Die genealogische Standardnotation
Diese ist eine vereinfachte und strukturierte Schreibweise von Ortsangaben, die vor allem in Datenbanken, Softwarelösungen und Tabellen verwendet wird. Sie zielt darauf ab, Orte einheitlich, maschinenlesbar und einfach vergleichbar zu dokumentieren. Die genealogische Standardnotation trennt Ortsangaben oft durch Semikolons, Kommas oder separate Spalten: aktueller Ortsname, Verwaltungseinheit, Land
Beispiel: Lwiw, Lwiw, Ukraine
Die historische Genauigkeit ist gegenüber den erstgenannten Ansätzen eingeschränkt und der Quellenbezug nicht sofort ersichtlich. Dafür entsteht eine kürzere Bezeichnung, die auch in Ortsregistern verwendet werden kann. Für ein Ortsfamilienbuch ist diese Notation aber noch immer zu lang.
💡 Empfehlung
Ich empfehle einen Ansatz, der nicht von allen genealogischen Programmen umgesetzt werden kann, aber versucht historische Genauigkeit und praktische Nutzung zu verbinden. Es geht um eine Kombination aus aktuellen Ortsnamen, historischen Varianten und normierten IDs. Die Notation besteht aus:
- Aktuellen Ortsnamen als Hauptangabe verwenden
- Aktuelle Verwaltung in einem Kommentar, sowie weitere Ergänzungen
- Normdaten zur eindeutigen Identifikation und für detaillierte Informationen zur Historie des Orts
- GOV – Geschichtliches Ortsverzeichnis des CompGen e.V.
- GND – Gemeinsame Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek
- Link zum Wikipedia-Artikel mit aktuellen Informationen zum Ort
- Link zum GenWiki mit Informationen zur Quellenlage
Beispiele:
| Aktueller Ortsname | Verwaltung in Kommentar | Heutiger Name in Kommentar | GOV-ID als Feld | GND-ID als Feld |
| Lemberg | Galizien, Österreich-Ungarn | Львів, Ukraine | LVIVIVKN29AU | 4035304-7 |
| Rhodt | Rhodt unter Rietburg, Kreis Südliche Weinstraße, Rheinland-Pfalz, Deutschland | Rhodt unter Rietburg | RHOODTJN49BG | 4049863-3 |